Littré-Hernie

Die Littré-Hernie ist eine seltene Sonderform der Hernien, bei der sich ein Meckel-Divertikel im Bruchsack befindet. Das Meckel-Divertikel ist ein angeborener Überrest des embryonalen Ductus omphaloentericus (Dottergang) und tritt bei etwa 2 % der Bevölkerung auf. Die Littré-Hernie wurde nach dem französischen Anatomen Alexis Littré (1658–1726) benannt.


Pathophysiologie

  • Das Meckel-Divertikel ist eine Ausstülpung des Ileums, die etwa 50–100 cm proximal der Ileozökalklappe liegt.
    • Wenn das Meckel-Divertikel in eine Hernie eintritt, spricht man von einer Littré-Hernie.
  • Es kann in verschiedenen Hernientypen auftreten, darunter:
    • Leistenhernie
    • Schenkelhernie
    • Nabelhernie
    • Narbenhernie

Klinische Merkmale

  • Symptome:
    • Die Symptome hängen von der Lokalisation und dem Zustand des Meckel-Divertikels ab.
    • Bei einer inkarzerierten Littré-Hernie können Schmerzen, Schwellung und Rötung in der betroffenen Region auftreten.
    • Falls das Meckel-Divertikel entzündet ist (Divertikulitis), treten Symptome wie bei einer akuten Appendizitis auf (Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen im rechten Unterbauch).
    • In seltenen Fällen kann es zu einer Perforation oder Blutung aus dem Divertikel kommen.

Komplikationen

  • Inkarzeration: Eingeklemmtes Meckel-Divertikel mit Durchblutungsstörung.
  • Divertikulitis: Entzündung des Meckel-Divertikels im Bruchsack.
  • Perforation: Kann zu einer lokalen oder generalisierten Peritonitis führen.
  • Blutung: Bei ulzerierter Schleimhaut (z. B. durch ektopes Magenschleimhautgewebe im Divertikel).

Diagnostik

  • Die präoperative Diagnose ist schwierig und wird meist erst intraoperativ gestellt.
  • Bildgebung:
    • Ultraschall oder CT können Hinweise auf einen ungewöhnlichen Inhalt im Bruchsack geben.
    • Bei unklaren Beschwerden kann eine MRT hilfreich sein.
    • Eine definitive Diagnose erfolgt oft erst während der Operation.

Therapie

Die Therapie der Littré-Hernie ist immer chirurgisch und richtet sich nach dem Zustand des Meckel-Divertikels:

  1. Unkomplizierte Littré-Hernie:
    • Resektion des Meckel-Divertikels mit End-zu-End-Anastomose des Dünndarms.
    • Hernienreparation ohne Netz bei lokaler Infektion.
  2. Komplizierte Littré-Hernie (z. B. Divertikulitis, Inkarzeration):
    • Perforation oder Peritonitis:
    • Notfalloperation mit Entfernung des Divertikels und gründlicher Reinigung der Bauchhöhle.
    • Netzimplantation ist kontraindiziert; stattdessen erfolgt eine Nahtreparation.

Prognose

  • Die Prognose ist bei frühzeitiger Diagnose und adäquater chirurgischer Versorgung gut.
  • Verzögerte Behandlung kann jedoch zu schweren Komplikationen wie Peritonitis oder Sepsis führen.

Die Littré-Hernie ist eine seltene, aber wichtige Differentialdiagnose bei Hernien mit atypischen Symptomen. Eine frühzeitige operative Versorgung unter Berücksichtigung möglicher Komplikationen ist entscheidend für den Behandlungserfolg.

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